GEMäLDEGALERIE DES STäDTISCHEN KUNSTmuseums
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Bildergalerie des Städtischen Museums wurde am 3.
November 1997 durch Vorstellung der moderne ungarische
Kunstschöpfungen hervorragenden Niveaus enthaltenden
Radnai-Sammlung und durch die Gedankausstellung des
geborenen Gyõrer Malers Georg Mayer-Marton eröffnet. Die heutige Form des Gebäudes enstand durch Zusammenbau der an seiner Stelle stehenden winzigen Häuser mittelalterlichen Ursprungs im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts. Es war damals im Besitz der Esterházy-Familie, deshalb nennen wir den von drei Strassen umgebenen, auch einen Innenhof in sich bergenden Gebäudeblock den Esterházy-Palast. C(omte) G(abriel) E(sterházy), das Monogramm des Bauherrn und sein Wappen aus Schmiedeeisen - zwei Schwerter erhebende Greife - sind am Gitter des Balkons über dem von Hermenfiguren gehaltenen und mit Putten verzierten Tor mit Steinrahmen auch heute zu sehen. Ein anderes characteristisches Ornament der Fassade ist die Krönung der Jungfrau Maria darstellende Statuengruppe in der Nische im Obergeschoss zwischen dem Tor und dem geschlossenen Eckerker. Das von den Gyõrern kurz die Städtische Galerie genannte, draussen zwei-, drinnen viergeschossige Museumsgebäude ist gleichzeitig der Sitz des Städtischen Museums der Kunst. Die Radnai- Sammlung Dr. Béla Radnai, der Erfinder der einheitlichen ungarischen Kurzschrift, der Gründer, Lehrer und Direktor der ersten Budapester Privatschule für Stenotypieren, wurde 1896 geboren. In seiner Sammlung finden wir Gemâlde, Zeichnungen, bildhauerische Schöpfungen vom ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert, der Tâtigkeit der Achter-Künstlergruppe bis zum Auftreten der Mitglieder der Europäischen Schule, die eine neue künstlerische Anschauung hatten, und sporadisch kommen einige Werke auch aus den 50er Jahren vor. Den Hauptteil der Sammlung bilden die Arbeiten der von den 20er Jahren im Gresham Café zusammenkommenden Tischgesellschaft vereinigenden Künstler, der Mitglieder des sog. Gresham- Kreises und ihrer Freunde. Neben den hervorragenden Kunstmalern - Jenõ Barcsay, Aurél Bernáth, Gyula Derkovits, József Egry, Lajos Gulácsy, Károly Kernstock, János Kmetty, István Nagy, József Rippl- Rónai, István Szõnyi, Béla Uitz usw. achtete der Sammler auch auf die Arbeiten von Bildhauern und Graphikern, so gelangten in die Sammlung mehrere Medaillen, Kleinplastiken oder Standbilder von Béni Ferenczy, Ferenc Medgyessy, Walter Madarassy, Pál Pátzay, Tibor Vilt, usw. und Bilder oder Zeichnungen, Aquarelle der damals noch kaum bekannten jungen Künstler wie László Bartha, Jenõ Elekfy, Tibor Gallé, Gyula Hincz, Károly Koffán, Emil Róbert Novotny und Lajos Szalay. Mit seinem Mäzenatentum nahm er sich der zeitgenössischen Künstler nicht nur an, unterstützte und spornte sie an, sondern mit der Vorstellung der in der Sammlung enthaltenen Werke übernahm er eine aktive Rolle, um auch die Bestrebungen der modernen ungarischen Kunst anerkant zu machen und ihre Werte zu propagieren. Seit seinem Tod (1962) wird sein künstlerischer Nachlass, der im Esterházy-Palast zum Gemeingut geworden ist und das Endziel des Lebenswerks des Sammlers verwirklicht von seiner Witwe betreut. Wenn wir die aus Gemälden, Zeichnungen und bildhauerischen Schöpfungen bestehende Sammlung durchschauen, finden wir Namen von mehreren solchen Künstlern hervorragenden Bedeutung, die durch grössere Material, darunter zahlreiche Hauptwerke vertreten sind. Von diesem Gesichtspunkt aus können die Arbeiten von József Egry, István Szõnyi und Ferenc Medgyessy erwähnt werden. József Egry (1883-1951) ist ein unermüdlicher Forscher atmosphärischer Erscheinungen, Flora, Fauna, Kultur der lichtumflossenen Balatoner Landschaft, der alltäglichen, hymnischen, mystischen und innigen Verbindung der Natur und des Menschen. Auf seinen Bildern formuliert er ewige menschliche Inhalte aufgrund der zusammenhaltenden, konstruktiven Kraft des Lichtes. An seinen frühen Schöpfungen ist ein sezessionistischer Ton wahrzunehmen (Frau an der Bank, 1912), später malte er in einem zwangloseren Stil (Badacsonyer Haus, 1919). Vom Anfang der 20er Jahre forschte er nach den Lichterscheinungen. In seinem Werk Regenbogen malte er das symbolische Zeichen des ewigen Daseins (1924), dann stellte er über der unendlichen Landschaft die mit Licht und Dunst erfüllte Luft dar, wo über den alltäglichen Anblick hinaus die harmonische Ordnung des kosmischen Raums und des Menschen erscheint (Heimkehrende Herde, 1932). Auf seinen in den 30er Jahren gemalten Bildern kam Weiss eine immer grössere Rolle zu, es gewann eine Form, baute auf musikalischem Rhytmus auf und erfüllte allmâhlich das Bild (Lichtverschiebung; Silbertor, um 1935; Sonne im Wasserspiegel, 1937). Von der Verbindung der Welt und des Künstlers zeugen seine Selbstbildnisse (Sich an eine Säule lehnender, 1935; Der Maler, 1937), wo er auf einer Terrasse, hinter offener Tür oder offenem Fenster sich selbst und seine Umgebung darstellte. Auf seinem Bild “Der Heimkehr” (1937) sehen wir einen tretenden, müden Fischer mit einem Rücken gegen uns, als ob er im Betriff wäre, in seinem entfernten Haus für immer heimzukehren. István Szõnyi (1894-1960) studierte neben seinen Studien an der Akademie in der Werkstatt der ungarischen Malerei, in Nagybánya, später in der Hoffnung, grossangelegte Komposition zu malen, die Werke der Neoklassizisten und die Tätigkeit von Cézanne, Van Gogh sowie einigen namhaften Meistern des ungarischen Aktivismus. Seine ersten bedeutenderen Werke waren mit Kohle gezeichnete Aktserien und Kupferradierungen (Bäume, 1920), deren kompositorische Lehren liess er in seinen Gemälden weiterreifen, so kam sein Bild “Bethsabe” (1923) zustande. Seine frühen Bilder haben einen dunklen Ton, sie basieren auf die Plastizität betonende Wirkung von Licht und Schatten (Akte am Ufer, 1925). 1923 liess er sich in Zebegény nieder, wo er die Natur und Schönheit der Gegend entdeckte und ein Landschaftsbild nach dem anderen zeichnete und malte. Er suchte nach dem Gleichgewicht zwischen der formauflösenden, zur gleichen Zeit Raum konstruirenden Möglichkeit des Lichtes. 1929 studierte er als Stipendiat in Rom die Kunst der italienischen Renaissance, dann begann er nach seiner Heimkehr wieder die Mikrowelt von Zebegény zu malen. Seinen Themenkresi gaben die leise Unterhaltung der Dorfleute, der Alltag der an der Donau lebenden und arbeitenden Leute und seiner eigenen Familie. Im Leben der Bauernschaft suchte er nach Manifestation einer uralten Lebensform in der erreignislosen Welt des Alltags idyllischer Stimmung (Eine Frau mit Kuh; Am Sonntag nachmittag, 1935; Plauernde, 1939). Im Laufe seiner Tätigkeit interessierte er sich für ein tiefes Erleben und Verständnis des Lebens und die lyrische Umdichtung des Anblicks (Gesellschaft). Seine Bilder verewigen meistens den Augenblick, wenn die Harmonie von Form, Stimmung und Farben der Figuren und der Landschaft oder Interieur am ausdrucksvollsten ist (Mädchen mit Puppen, 1934; Obstpflücker, 1935; Gaffer am Ufer, 1937; Susanne liest, 1938). Medgyessy Ferenc (1881-1958) ist der grösste Meister der modernen ungarischen Bildhauerei. Seine Kunst durch klare plastische Bildsprache, deutliche, übersichtliche Konstruierung, das Wesen bemerkende bündige Ausdrucksweise und monumentale Einfachheit gekennzeichnet. Im Laufe seines Lebens variierte er die urtümlichsten Motive der Bildhauerei. So ist die sitzende Frauenfigur ein ständig wiederkehrendes Thema in seiner Kunst. Eines des frühen Beispiele dafür ist die “Sitzende Frau” (1910), das andere der epochemachende “Dicke Denkerin” (1911). Das Thema diese letzteren wurde von ihm wieder in seinem aus Piszkeer Marmor angefertigten Standbild behaut, das eine grossangelegte Summierung seiner frühen Kunst ist. Grossartige Beispiele von Darstellung des physiche Arbeit verrichtenden Menschen sind “Der Last tragende Männerakt” (1909) und die “Scheuernde Frau” (1913) als wie der spätere “Säuer” (1938). Für die schwierigste bildhauerische Aufgabe hielt er die Reiterkomposition. Seine erste Pferd und Mensch zusammendarstellende Schöpfung, der bronzene “Kleine Reiter” (1915) ist ein feste Kraft ausstrahlendes, ruhiges, ausgeglichenes Werk. Sein Selbsbildnis kleinen Formats, die winzige, eckige Plakette “Selbstporträt” (1921) eines der wichtigsten Stücke der modernen ungarischen Medaillen und Plakettenkunst, ist ebenfalls in der Sammlung zu finden. Die hervorragende bronzene Plastik, die “Sich an eine Säule lehnende Frau” (1923) zeugt von tiefem Verständnis der Konstruierung mit Hilfe von Kontrapost in der klassicshen griechischen Bildhauerei. Durch kaum zu bemerkende innere Bewegung innerhalb den geschlossenen Formen sind sein lebensgrosses steinernes Standbild “Stehende Frau” (1931) und eine von seiner bekanntesten Arbeiten, die vor dem Debrecener Déri-Museum aufgestellte, aus vier Figuren bestehende Statuenkomposition, aus der Entwurf der allegorischen Frauenfigur “Die Kunst” (1929) in die Sammlung geraten ist. Die 1933 angefertigte “Sitzende Frauenakt” strahlen monumentale Ruhe aus, sie sind majestätische und noch ungezwungene Schöpfungen. Die Porträts begleiten das ganze Lebenswerk von Medgyessy hindurch, obwohl von seiner Kunst die Darstellung der individuellen Charakter der Persönlichkeit entfernt war. Neben dem frühen “Gaffer” (Arlette, 1906) geben noch ein Relief mit dem Bildnis von einem Mädchen (1912), ein Béla Radnai darstellendes Porträt (1934) und das “Ági Czellár” (1939), ein vollfigurales, bronzenes Porträt von der Tochter eines Freundes des Künstlers eine Kostprobe seiner Porträtkunst. Medgyessy fertigte auch Tierstandbilder. Sein grosser Traum, das monumentale Stierstandbild wurde jedoch nur in Entwurf verwirklicht (Hortobágyer Stier”, 1934). Die Wirkung der Kunst von Ferenc Medgyessy war in der ungarischen Bildhauerei eine lange Zeit hindurch bestimmend. Von seinen unmittelbaren Zeitgenossen hilet ihn Béni Ferenczy für den besten ungarischen Bildhauer, “dessen Lebenswerk universal, an die ganze Menschheit gerichtet ist”. Auch Miklós Borsos sagte davon “gross und schön, wahr und menschlich”… In der Galerie des Städtischen Kunstmuseum können wir bis zur Eröffnung der ständigen Ausstellung der Radnai-Sammlung regelmässig temporäreAusstellungen sehen. Die wichtigste von ihnen ist die Internationale Zeichen und Graphische Biennale "Meister der Graphischen Kunst", die eine der Hauptbasen der Vergrösserung der zeitgenössischen internationalen graphischen Sammlung des Museums ist. Die zweijährlich veranstaltete, grossangelegte Ausstellung stellt Zeichnungen und graphische Schöpfungen der eingeladenen Künstler von 40-50 Ländern und der Hauptpreisträger sowie das Material der aktuellen Gyõrer Ausstellungen vor. Die früher in Gyõr gebliebenen Biennale-Schöpfungen und die weitere Zeichnungs- und graphische Sammlung der zur Unterstützung der Biennale entstandenen, seitdem aufgelösten Stiftung bilden heute schon einen organischen Teil des internationalen zeitgenössischen graphischen Materials des Museums. Seit der Eröffnung des Museums wurden auch andere renommierte Sammlungen der zeitgenössischen ungarischen bildenden Kunst durch Schenkung Eigentum des Museums. Diese Sammlung wird von uns mit Kauf und mit Depositenmaterial kontinuierlich erweitert und regelmässig vorgestellt. Eine weitere wichtige Quelle der Sammlungsvergrösserung und der temporären Schau ist das jeden Sommer ins Leben gerufene Gyõrer Internationale Künstlersymposium, zu dem ausser Künstlern der Partnerstädte von Gyõr die hervorragendsten Teilnehmer der Biennale, ferner andere heimatliche und ausländische Künstler eingeladen werden. Sämtliche lassen jährlich je ein Werk da. Die Ausstellung ihrer Arbeit ist schon im kurzen Leben des Museums zu einer Tradition geworden. |